Teilen statt besitzen!

Veröffentlicht: Juni 15, 2012 von Jan in Innovation, Start Ups
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Wir teilen!

Wir teilen!

Teilen ist „in“ – besitzen ist „out“! Wir lieben es zu teilen – wir teilen unsere Erlebnisse in sozialen Netzwerken wie Facebook, wir teilen unsere Erfahrungen auf Meinungsportalen wie ciao.com und wir teilen unser Wissen auf freien Online-Lexika wie Wikipedia. Ist es denn da verwunderlich, dass wir auch „offline“ das Bedürfnis haben unseren Besitz mit anderen zu teilen? Ich habe mich mal umgeschaut, wie es um die Welt des Teilen steht…

Ich betreibe „Dog-Sharing“ – gut, das tue ich eher aus situativen Gegebenheiten heraus, aber eigentlich ist es gar kein so schlechter Einstieg in die Thematik. Ich bin kein Hunde-Eigentümer (liebe Tierfreunde, bitte verzeiht mir diese Formulierung), doch Besitze 3-5 Tage die Woche einen Hund. Das ist eigentlich ideal, denn so ein Hund macht schon Spaß und die täglich notwendigen Waldspaziergänge sind eine klasse Möglichkeit aus dem „Alltag heraus zu kommen“. Manchmal habe ich aber auch keine Zeit für einen Hund: Zum Beispiel nach einer durchzechten Nacht, wenn es eher unangenehm ist mit dem Hund durch die morgendliche Kälte zu stiefeln. Zwar ist „Emma“ Langschläferin und findet es so oder so doof vor 10 Uhr aufstehen zu müssen, aber trotzdem: Hund und Kater vertragen sich halt nicht! Also geben wir den Hund am Wochenende weg…
Emma gehört eigentlich meiner Schwiegermutter, doch da diese  wochentags beruflich eingebunden ist, freut sie sich, dass sich Emma unter der Woche in guten Händen befindet und genügend Auslauf bekommt. Emma freut sich auch. Neu ist das nicht – wenn man Google nach „Dog Sharing“ fragt erhält man 332.000.000 Ergebnisse, die Dog-Sharing empfehlen, vermitteln und dazu beraten.

Stadrad Hamburg

Stadrad Hamburg

Aber es gibt ja noch andere Sachen zum Teilen – mein liebstes „Sharing“-Projekt ist Stadtrad Hamburg. Sicher ist ist die Idee ein Fahrrad zu teilen nicht neu – DB Call a Bike bietet bereits seit 1998 in vielen Städten Deutschlands die Möglichkeit sich ein Fahrrad minutenweise auszuleihen. Doch die Stadt Hamburg hat dieses Konzept in Kooperation mit der Deutschen Bahn noch weiter ausgebaut: In Hamburg sind die ersten 30 Minuten der Leihe kostenfrei und die Fahrrad-Stationen sind so angeordnet, dass man bei Bedarf innerhalb von 30 Minuten problemlos das Fahrrad wechseln kann und so keine Kosten für den Kunden entstehen. Und wenn man doch länger fährt fallen pro Minute zwischen 3 und 8 Cent an, allerdings maximal 12 Euro pro Tag. Hamburg nutzt das Stadtrad Hamburg aktiv im Städte-Marketing und macht die Stadt damit nicht nur grüner, sondern auch attraktiver für Ihre Bürger und Touristen. Als „alter Hamburger“ gehört meine Stadtrad-Tour bei jedem Heimatbesuch eigentlich obligatorisch dazu…

Aber ich teile noch mehr: Vor nun fast 10 Jahren, gerade als ich meinen PKW-Führerschein bestanden habe, erfuhr ich von CarSharing-Prinzip. Damals konnte ich mir kein eigenes Auto leisten und war froh mir über Greenwheels wann ich immer ich wollte ein Auto mit anderen Menschen zu teilen. Das sich daraus ein unglaublicher Trend entwickelt, habe ich damals noch nicht geahnt. Heute bin ich Kunde von Car2Go und damit Kunde eines Start-Ups Ablegers eines Großkonzernes: Daimler hat zum April diesen Jahres rund 1.000 Smart for Two in Berlin abgestellt und jeder der sich angemeldet hat kann sich – wann immer er auch möchte – dieser bedienen und durch die Stadt fahren. Mittlerweile hat sich das Konzept verbessert: Während Greenwheels noch mit Abgabestationen arbeitet kann man bei Car2Go das Fahrzeug einfach da abstellen, wo gerade Platz ist. Aber noch besser: Auf öffentlich bewirtschafteten Parkplätzen parkt man seinen Smart kostenlos!

Car 2 Go in Berlin

Car 2 Go in Berlin

Aber es gibt noch eine Menge anderer Anbieter – parallel mit Daimler hat auch BMW ein eigenes Car-Sharing Programm mit dem Namen Drive-Now ins leben gerufen. Das die PKW-Hersteller diesem Trend nachgehen ist nicht verwunderlich – nicht nur, dass man 1.000 Smarts in Berlin als Marketing-Maßnahme bezeichnen könnte: In einer Befragung von „330 deutsche Experten für Internet, Kommunikation und Medien“ fand TNS Infratest heraus, dass ein Viertel dieser Experten der Meinung sind, dass zwischen 2020 und 2024 Carsharing-Fahrzeuge 25% der Privat-Fahrzeuge ersetzt haben („Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien„, Seite 276). Der Trend wird aber noch deutlicher, wenn man sich die Liste der CarSharing-Anbieter in Deutschland anzeigen lässt: Stolze 292 Einträge werden zum Beispiel auf der Homepage des Bundesverband CarSharing angezeigt. In den statistischen Datenbanken von Statista.com lassen sich noch weitere interessante Zahlen entdecken: So zum Beispiel, dass seit 2006 jährlich die Carsharing-Nutzeranzahl zwischen 15 und 25% gestiegen ist.Übrigens könnt ihr bei einigen Anbietern, so zum Beispiel auch bei Tamyca, auch euer eigenes Auto mit anderen Nutzern teilen….Tamyca kümmert sich dabei nicht nur um die Vermittlung, sondern auch um die Versicherung. Wahrscheinlich nicht für jedermann etwas: Auch wenn ich CarSharing absolut klasse finde, würde ich mein privates Auto wahrscheinlich nicht vermieten wollen.

Was wird noch verliehen? Über rentas.de kann man sich allerlei Werkzeug leihen, auf 9flat.com und Couchsurfing.org kann man sich in private Wohnungen einmieten und über erento.com lässt sich eigentlich alles teilen, was man sonst noch so besitzt.

In Zukunft wird dieser Trend sicher noch deutlich größer werden – das bestätigt auch eine Erhebung von Salesforce.com: Die Frage „Wie schätzen Sie das Potential neuer Geschäftsmodelle wie Tauschbörsen, Tauschbörsen oder Couchsurfing ein?“ beantworteten 72,6% mit „Solche Dienste werden immer populärer“.

Was denkt ihr über das Thema? Teilt ihr auch schon Gegenstände, die vielleicht sogar euer Eigentum sind? Seid ihr ebenfalls der Meinung, dass sich der Trend in Richtung „Teilen“ bewegt?

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Kommentare
  1. Ms. Monday Jana sagt:

    Hallo Jan,
    Das war ein interessanter Einblick in die Welt des Teilens 🙂 Beonders das Stadtrad in Hamburg finde ich super.. ein Hamburgbesuch steht sowieso auf meiner Liste für die nächsten Monate da werd ich doch davon gleich gebrauch machen. Ich persönlich teile noch nichts online. Irgendwie ist meine Hemmschwelle da zu groß wenn es um meinen Besitz geht. Mit Freunden oder Familie ist das etwas anderes. Aber was nicht ist kann ja noch werden.. Ich musste bei deinem Artikel wieder an eine Gründung von einer der HWR Studentinnen denken: auf http://www.luxusbabe.de/ kann man sich schließlich auch Taschen leihen. Dieses Prinzip scheint auch schon seit Jahren zu funktionieren. Meiner Meinung nach ist das ganze definitiv ein Markt der im kommen ist. Schließlich kann man so viel Geld sparen und auch Zeit. Sicherlich wird auch meine Hemmschwelle dem Sharing gegenüber mit der Zeit weniger werden 🙂
    LG,
    Jana

  2. Mr. Friday Jan sagt:

    Ach, Jana – gut das ich dich habe. Wie konnte ich nur LuxusBabe vergessen? Seit dem ich in der Vorlesung davon gehört habe berichte ich immer wieder gerne davon, da ich das Konzept (auch wenn es jetzt nicht „mein Produkt“ ist) einfach klasse finde. Und es passt so gut zum Thema 😉

    Wegen der Hemmschwelle: Ja genau, so geht es auch mir und ich glaube es geht auch sehr vielen anderen Menschen so. Ich bin gespannt wie sich das entwickelt…

    Danke für deinen -mal-wieder-klasse-Kommentar 😉
    LG,
    Jan

  3. Pina sagt:

    Hallo Jan,
    Deine Schreibweise und die Themen Deiner Artikel gefallen mir immer wieder, vor allem aber dieser. Denn ich bin auch der Meinung, dass der Trend in Richtung ‚Teilen statt Besitzen‘ geht.
    Die Welt ist schneller, flexibler, globaler geworden und mit ihr die meisten von uns. Anstatt sich frühzeitig zu setteln, machen wir Praktika oder Jobs für Monate oder Jahre im Ausland, ziehen quer durch Deutschland oder machen nochmal was ganz anderes. Die Zeiten, in denen die Menschen 40 Jahre im gleichen Job am gleichen Ort arbeiten, ist spätestens seit unserer Generation vorbei. Wer hat dann Lust, mit Sack und Pack, von Bohrer bis Fahrrad alle Zeit umzuziehen?
    Auch die Technologie entwickelt sich immer schneller weiter, was gestern noch innovativ war, ist morgen schon wieder überholt.
    Sicher ist auch ebay ein Profiteur dieses Trends, ausmisten und verkaufen, weil man einfach zu viel Kram in Schrank und Keller hat und einfach nicht so viel besitzen will. Oder auch Tauschpartys, die es für Klamotten gibt, sind Ausdruck dessen. Das Simplify-your-life-Prinzip hinsichtlich Besitztümer würden ebenfalls nicht so einen Zuspruch finden, träfe es nicht den Geist der Zeit.
    Gerade habe ich noch einen Spruch gefunden:
    Ich will keine Bohrmaschine, sondern Löcher in die Wand.
    Ich will kein Auto, sondern von A nach B fahren.
    Ich will alles haben, aber nicht alles kaufen.
    Wie zutreffend!
    Liebe Grüße
    Pina

  4. Sofia sagt:

    Hallo Jan,

    auch ich finde, dass der Trend zum „Sharing“ geht. Mein Freund überlegt sich beispielsweise sein Auto abzuschaffen und auf ein Car 2 Go umzusteigen. Von diesen Autos stehen immer viele unmittelbar in unserer Nähe. Wir finden es nur schade, dass es scheinbar nur Smarts gibt. Schließlich bräuchte man ja ein größeres Auto, wenn man etwas transportieren will. Sonst kann man auch die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen, finde ich.

    Liebe Grüße,
    Sofia

  5. Ms. Monday Jana sagt:

    Immer gerne Jan 😀 Deine Artikel regen zum Denken an und das Thema teilen lässt mich nicht so ganz los!
    Ich habe ja schon geschrieben, dass ich noch nicht so freudig dabei bin was das Teilen angeht. Mein Interesse an Luxushandtaschen beispielsweise ist sehr gering. Aber jetzt ist mir doch noch etwas dazu eingefallen: Für die Dauer meiner Auslandsaufenthalte habe ich immer meine Wohnung untervermietet. Das ist eher aus finanzieller Not entstanden (es lässt sich sogar einiges an Gewinn machen;-)). Ich hatte schon häufig Diskussionen darüber mit Freunden die mir sagten sie würden ihre Wohnung nicht untervermieten. Gut, die Meinung zum untervermieten der eigenen Bleibe kann variieren aber eines wird denke ich bei allen Beispielen deutlich: die finanzielle Situation ist ausschlaggebend. Hinzu kommen wie Pina schon sagte Faktoren wie Flexibilität, häufige Ortswechsel, interesse an Nachhaltigkeit und meiner Meinung nach die Kurzlebigkeit – insbesondere von Technik und Elektrogeräten – auf Grund der schnellen Weiterentwicklungen heutzutage.
    LG,
    Jana

    PS: Pina, deinen Spruch finde ich echt äußerst passend.

  6. Danke Jana, für deinen Vorlauf. Ich musste auch an http://www.luxusbabe.de/ denken. Da ich die Idee auch klasse finde schreibe ich momentan einen Businessplan für einen Online-Schmuckverleih.
    Ich habe vor kurzem auch „Drive Now“ ausprobiert (Tipp an Sofia: es gibt hier Mini`s und BMW`s,also etwas größer als ein Smart und kein/kaum ein Preisunterschied zu Car2Go).
    Es ist eine super Idee, besonders in einer großen Stadt wie Berlin. Andererseits bleibt es nicht aus, dass man Schwierigkeiten mit der Parkplatzsuche hat;(
    Es gibt auch die Möglichkeit sich auf einmal 200 oder 500 Minuten zu kaufen und die dann abzufahren. Dabei ist der Preis pro Minute günstiger. Die Business area sollte vergrößert werden!!!! Für jeden erreichbar, ganz nach dem Motto „Teilen statt Besitzen“!

  7. milchbubis sagt:

    Hey Jan!

    Klasse Artikel hast du da verfasst! Ich unterstütze hier auch den allgemeinen Tenor und sage, dass sich Teilen auf jeden Fall in den nächsten Jahren noch sehr stark erweitern wird.
    Meine WG teilt sich beispielsweise mit unseren Nachbarinnen den Internetanbieter, den Garten samt Gartenmöbeln und – geräten, sowie ebenfalls den Grill.

    Es würde auch einfach keinen Sinn machen all diese Dinge doppelt zu haben.

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