Multitasking ist auch keine Lösung!

Veröffentlicht: Juni 12, 2012 von Ms. Tuesday Sophie in Know How
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Ich habe mich seit letzter Woche beobachtet. In meinem Artikel „Was mache ich eigentlich wirklich?“ habe ich etwas über Multitasking geschrieben und dass uns das oft im Arbeitsalltag schadet, da wir uns kaum noch auf eine Sache wirklich konzentrieren.  Ich muss sagen es stimmt. Es tut uns nicht unbedingt gut, aber es ist unglaublich schwer aus seiner Gewohnheit rauszukommen. Singletasking wäre aus vielen Gründen attraktiver!

 

Wir alle kenn die Vorteile von Laptops, Smartphones etc., aber bereichern sie unser Leben eigentlich wirklich? Oft machen sie uns leider auch schon abhängig und die ständige Erreichbarkeit, hat mit all ihren Vorteilen, auch den Nachteil, dass man immer wieder auf Multitasking umsteigt.

Letzte Woche war mein Aufruf:

Das ständige Streben nach Verbesserung tut der Seele nicht immer gut und es ist wichtig sich zwischendurch auch auf wesentliche Dinge zu konzentrieren, und wenn es eben das Essen ist, ohne Zeitung, ohne Smartphone und ohne TV!

Aber das ist wirklich schwer!

Wenn ich eine Mail auf meinem Smartphone bekomme und gerade beim Essen bin, natürlich will ich sie dann gleich lesen. Dies erschwert es natürlich ungemein, mich mal ganz auf meine Tätigkeit zu konzentrieren. Ich merke oft, dass wir uns auch schon so daran gewöhnt haben Dinge gleichzeitig zu tun, dass es richtig langweilig ist, wenn man alleine isst und das ohne Radio, ohne Fernsehen und ohne Zeitung.

Aber nicht nur bessere Konzentration sollte uns ermutigen weiter nach Singlatasking zu streben, auch die Produktivität. Es ist erschreckend, aber ein durchschnittlicher Büroarbeiter verliert jeden Tag 2,1 Stunden an Produktivität, da er mit E-Mail checken oder ähnlichem beschäftigt ist. Denn im Durchschnitt wird der E-Mail Account 50x am Tag geöffnet und 70x Instant Messenger genutzt. Dies veröffentlichte Joe Robinson in seinem Artikel „Tame the E-mail Beast“, in dem er sich mit der Produktivität beim Arbeiten beschäftigte. Immer erreichbar sein lautet die Devise und damit büsen wir auch viel an produktivem Arbeiten ein. Es wird aber auch erwartet und bei den meisten ist es schon zur Gewohnheit geworden, der regelmäßige Blick aufs Smartphone, da ist man doch eher überrascht wenn man mal einen Tag keine E-Mail bekommen hat.

Das interessante an dem Thema ist aber nicht nur, dass unsere Konzentration und Produktivität sinken, sondern auch unser IQ. Das heißt wir agieren in Situationen, in denen wir mehrere Dinge gleichzeitig tuen und uns kaum wirklich mit etwas intensiv befassen, mit weniger Intelligenz, handeln somit einfach dümmer. Peter Bregmann hat in seinem HBR-Blog sogar berichtet, dass unser IQ um 10 Punkte fällt wenn wir öfters durch Telefongespräche oder E-Mails gestört werden. Was denselben Effekt hätte wie eine Nacht nicht zu schlafen oder Marihuana zu rauchen. Man könnte aufgrund dieser Studie ja schon fast sagen Multitasking ist schädlich für uns und unser Tun. Peter Bregmann berichtet in seinem Artikel darüber wie eine Woche Singletasking, sein Leben bereichert hat. Er hat die Zeit mit seinen Kindern und dem ausgeschalteten Telefon viel intensiver wahrgenommen und auch die Unzufriedenheit durch ständige Überforderung ist zurückgegangen. Vielleicht ist der Trend zum Singletasking unsere Lösung?

Auf Basis dieser Kritik am Multitasking hat David Silvermann, ebenfalls im HBR – Blog, einen Beitrag zum Nutzen von Multitasking verfasst. Welcher auch die großen Vorteile davon beleuchtet. Die schnelle Information, die Erreichbarkeit in problematischen Situationen, die Verknüpfung mit anderen etc., all das erleichtert uns auch oftmals das Arbeiten. Umso mehr Verantwortung man trägt, umso wichtiger ist oft auch das Multitasking. Denn es ist schwierig für einen Barack Obama zu sagen, heute bin ich nicht mehr ansprechbar weil ich mich auf etwas anders konzentriere. Ein Konflikt der nicht zu vermeiden ist.

Das Thema Multitasking bleibt interessant und es ist wohl letztendlich jedem selbst überlassen, womit er besser leben kann und was auch von ihm erwartet wird. Sicherlich ist es toll wenn man Zeit intensiver wahrnehmen kann und schöne Momente auch voll auskostet, aber das geht eben nicht in jeder Position und die Gewohnheit ist manchmal schwer zu durchbrechen. Ich werde auf alle Fälle dran bleiben und mal schauen, ob man das mit dem konzentrierten Essen einfach doch mal hinkriegt.

Vielleicht einfach mal so anfangen:

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Kommentare
  1. Sofia sagt:

    Hallo Sophie,

    mir fällt es gerade besonders auf, in welchen Vorlesungen ich mein Netbook dabei hatte und in welchen nicht. 🙂 Ich versuche mich gerade dazu durchzuringen 1,5 Std. am Tag IFRS zu lernen. Das hat die letzten beiden Tage auch gut geklappt. Mir war noch einiges in Erinnerung. Zumindest bis ich heute einen neuen Foliensatz anfangen wollte und mir das Thema von „Intangible Assets“ doch etwas fremd vorkam. Dabei war ich doch in jeder Vorlesung! Die Erklärung liegt tatsächlich darin, dass ich bei diesem Thema mein Netbook dabei hatte, um „nebenbei“ für ein Hausarbeitsthema zu recherchieren.

    Joe Robinson`s Artikel finde ich besonders gut! Wenn ich mich recht entsinne, hat der Automobilhersteller Volkswagen vor einiger Zeit entschieden, dass Mitarbeiter nach 17 Uhr keine E-Mails mehr auf ihr Diensthandy bekommen, damit sie besser abschalten können (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/blackberry-pause-vw-betriebsrat-setzt-e-mail-stopp-nach-feierabend-durch-a-805524.html).

    Peter Bergmann`s Ergebnis erschüttert mich ein wenig. 10 IQ Punkte weniger, wenn wir durch Telefongespräche oder E-Mails gestört werden! Das ist wirklich viel!

    Vielleicht beginne ich morgen mit „I will do two things today“. 😉

    Liebe Grüße

  2. Ms. Tuesday Sophie sagt:

    Hallo Sofia,

    ja du hast Recht, besonders durch Smartpones oder Laptops wird man so schnell abgelenkt. Deswegen sollte man sich schon manchmal dazu zwingen, keine anderen Geräte während der Vorlesung anzuschalten 😉

    Die 10 IQ-Punkte sind wirklich viel und haben mir auch echt zu denken gegeben. Aber ich merke es selbst, wenn man abgelenkt wird während der Arbeit, vergisst man oft wichtige Punkte. Zum Beispiel beim Schreiben einer E-Mail, wenn zwischendurch das Telefon klingelt vergisst man schnell mal noch eine Datei anzuhängen oder die genaue Zeit dazuzuschreiben. Das schafft Verwirrung und nimmt viel an effektivem Arbeiten.

    Danke auch für den interessanten Link zu dem Spiegel-Artikel. Eine tolle Idee von VW, was der erste Ansatz ist von dem Multitasking und der ständigen Erreichbarkeit, wegzugehen.

    Die Frage bleibt natürlich ob Singletasking die Lösung ist, aber dein Ansatz mit: morgen erstmal NUR 2 Dinge vornehmen, ist auf jeden Fall ein guter Anfang!

    Liebe Grüße,
    Sophie

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