Diese Hure hat ihren Onkel verführt! Oder: Wie weit darf Werbung gehen?

Veröffentlicht: Juni 8, 2012 von Jan in Uncategorized
Schlagwörter:, ,

„Aktivierung durch emotionale und kognitive Reize“ – in der Werbung eigentlich nichts besonderes, sondern absolut notwendig, um auf Werbebotschaften aufmerksam zu machen. Doch gibt es hier auch Extreme – in den meisten Fällen werden diese noch vor der Veröffentlichung durch den Deutschen Werberat zensiert. Einige Kampagnen werden aber auch zugelassen und erst nach der Veröffentlichung diskutiert und gegebenenfalls nachgebessert oder verboten.

Als Schock-Werbung bekannt sind hierbei zum Beispiel die Plakate von United Colours of Benetton,  auf welchem mit einer Reihe von Schockmotiven für das Mode-Label geworben wurde. Oder aber auch – allerdings auf einer ganz anderen Ebene – die Werbevideos der Firma K-Fee:

 

Werbeplakat des Weissen Rings

Werbeplakat des Weissen Rings

Weitaus kritischer sind aber zum Beispiel die Werbeplakate des Weißen Rings, welcher mit einer Kampagne im Jahre 2014 auf  Opfer von Straftaten aufmerksam machen wollte. Die Motive wurden von Studenten der Universität Weinmar nach eingehender Vorrecherche erstellt.  Mit rund 100 verschiedenen Werbeformaten wolle man von der „stillen, freundlichen, zurückhaltenden Öffentlichkeitsarbeit“ abrücken und gewollt „dieser radikalen Aktion eine Kontroverse lostreten“ wie Angelika Landmann vom Weissen Ring Landesverband Thüringen dem Anti-Kinderporno e.V. berichtete. Eins der Motive zeigt ein 4-5 Jahre altes Mädchen mit dem Titel „Diese Hure hat ihren Onkel verführt.“ – im Kleingedruckten folgt: „So rechtfertigen sich Täter“. Eine zurecht hart diskutierte Werbung – die schockierende Wirkung des Plakates ist unumstritten. Doch ist es nun richtig solche Werbung zu zeigen oder nicht? Auf der einen Seite argumentiert man damit, dass diese Werbung zu schockierend und verstörend sei…auf der anderen Seite spiegelt sie aber auch nur ein Teil der Realität wieder. Und angeblich ließen sich die Menschen nur noch mit schockierenden Bildern aufrütteln und über solche sensiblen Dinge nachdenken lassen. Ich sehe das genau so – ich finde solche schockierenden Kampagnen als wichtig, kann auf der anderen Seite aber auch gut verstehen, wenn es Menschen gibt, die mit diesen Formaten nicht zurecht kommen. Was denkt ihr: Hat eine solche Werbung was auf unseren Straßen zu suchen?

Ebenfalls  schockierend und emotional geht es bei Werbung zu, die sich mit Todesopfern durch den Straßenverkehr beschäftigen. Nicht zuletzt in Deutschland: Auf den meisten Auto-Bahnen sieht man ein Haufen Anti-Raser-Plakate, die sich emotionaler Reize bedienen, um auf die Gefahren hinzuweisen. Ein meiner Meinung nach exzellentes Präventions-Video ist aus der Zusammenarbeit der  Tredegar Comprehensive School und der Gwent Police in Großbritannien entstanden. In dem Video wird auf die Gefahren des SMS-Schreiben beim Fahren hingewiesen und dies in einer so emotionalen Art und Weise, dass das Video weltweit in den Medien gelandet ist. Wenn ihr es noch nicht kennt, möchte ich es euch nicht vorenthalten:

Advertisements
Kommentare
  1. Ms. Monday Jana sagt:

    Hallo Jan,
    auch ich habe schon öfter über dieses Thema nachgedacht. Die K-Fee Werbung hat gerade Wirkung gezeigt – jetzt bin ich wirklich wach. Ich habe zu dem Thema eine gespaltene Meinung. Die K-Fee Werbung arbeitet ja wirklich mit einem Schock. Ich finde die Idee an sich super, finde aber man sollte sie nicht zu jeder Zeit ausstrahlen. Ich finde Kinder sollten so etwas nicht sehen und ob älteren Menschen so ein Schock so gut tut ist auch zu hinterfragen. Was beispielsweise die Werbung des Weissen Rings angeht, finde ich es richtig auf diese drastische Art und Weise darauf aufmerksam zu machen. Solche Themen sollten Aufmerksamkeit bekommen und das tun sie so mit Sicherheit.
    Die EU-Kampagne „Klicksafe“ (http://www.klicksafe.de/) für mehr Sicherheit im Netz hat einen anderen Weg gefunden, Menschen aufmerksam zu machen. Werbespots wie „Wo ist Klaus?“ (http://www.youtube.com/watch?v=Zu6z9Fa8spQ) und „In welcher Welt lebst du?“ (http://www.youtube.com/watch?v=Br-WNMq0l4o) wecken die Aufmerksamkeit auf subtile Art und Weise, ich fand sie sogar auf gewisse Art und Weise schockierend. Sie sind aber nicht so extrem wie die Kampagne des Weissen Rings.
    Meiner Meinung nach muss es aber nicht immer diesen Schockeffekt geben. Da ich in letzter Zeit viel auf Deutschlands Autobahnen unterwegs war bin ich auf die neuen Plakate der Kampagne „Runter vom Gas“ (http://www.runtervomgas.de/) aufmerksam geworden. Auch hier sind schon häufig Schockmotive benutzt worden, es geht aber auch anders: die neuen Plakatmotive zeigen einfach nur Post-its mit handgeschriebenen Sprüchen wie „Lass dir Zeit“ oder „Schatz, nimm lieber ein Taxi heut Abend“ (http://www.runtervomgas.de/kampagnenmaterial/). Das erinnert einen für einen kurzen Moment an die Menschen die zu Hause auf einen warten. Meiner Meinung nach ein schöner Weg die Leute dazu zu bewegen vom Gas zu gehen.
    LG,
    Jana

  2. anton2you sagt:

    Hi Jan! Das Thema Werbung und mit welchen Mitteln sie eigentlich arbeiten darf bzw. sollte ist sehr interessant und wird wahrscheinlich schon seit der ersten Werbekampagne kontrovers diskutiert. Sicherlich hat sich die Werbung verändert und es nicht mehr alles so wie zu Mad Men Zeiten (http://www.youtube.com/watch?v=deXGXYJo4-0). Schließlich gibt es Beschränkungen für Zigaretten und Alkohol Werbung und auch der deutsche Werberat überwacht jedes geschaltete Plakat.
    Gerade die von mir geliebten United Colours of Benetton Werbungen schaffen es mit reiner Provokation Leute zum Nachdenken zu bewegen. Natürlich gebe ich aber auch Jana recht, dass man gerade Kinder vor zu krassen Botschaften schützen sollte. Die Anzeige vom Weißen Ring kannte ich noch nicht – finde sie aber ziemlich gut, denn man denkt drüber nach!

  3. milchbubis sagt:

    Hi Jan,

    da hast Du Dir ja ein sehr interessantes Thema rausgesucht, was auch immer wieder aufs Neue diskutiert wird. Wie provokant darf Werbung sein?

    Wie Jana schon sagte, sollten derbe und schockierende Fernsehwerbungen, wie beispielsweise die von K-Fee, erst zu späterer Stunden gesendet werden dürfen.
    Aber auch da sind sie manchmal unangebracht. Gestern Abend wollte ich zum Einschlafen noch ein bisschen in den Blogs meiner Kommilitonen querlesen und bin unter anderem auf deinen Artikel und dieses Video gestoßen – danke dafür lieber Jan! 🙂

    Wieder hellwach und auf voller Alarmbereitschaft machte ich mir Gedanken darüber, was in Werbungen erlaubt sein sollte und was nicht.

    Fakt ist, ein Hauptziel der Werbung ist im Kopf der Leute verankert zu bleiben und ein Gefühl in ihnen auszulösen. Das geschieht durch solche Schocker-Videos oder andere derbe, anstößige oder verruchte Videos natürlich sehr gut, aber auch andere Formen zum „Stay-in-Mind“ sind erfolgreich und weit weniger diskutiert.
    Die Faktoren Humor, Musik und Stille spielen dabei meiner Meinung nach eine große Rolle.

    Und trotzdem soll das nicht heißen, dass ich gegen solche Arten der Werbung bin. Die Plakate des Weißen Bundes würde ich sofort so in den Druck geben lassen. Ich finde es nämlich schockierender, wenn Missbrauch in der Realität passiert, als wenn nur öffentlich darauf aufmerksam gemacht und diskutiert wird.

    Final ist zu sagen, das es wohl schwer ist eine richtige Grenze zu ziehen zwischen angebracht und unangebracht, da die Grenzen bei jedem woanders liegen.

  4. Mr. Friday Jan sagt:

    Hallo zusammen und ein riesiges Danke für eure hervorragenden Kommentare,

    freut mich sehr, dass auch ihr das Thema so spannend findet wie ich und mir nicht nur so ein tolles Feedback, sondern auch so viel weiteren Input gebt.
    Zum Thema K-Fee: Das was ihr schreibt ist richtig – K-Fee kann natürlich auch eine erhebliche Gefahr darstellen…zum Beispiel für ältere Menschen. Ich bin sogar der Meinung, dass die Werbung genau aus diesem Grund aus dem deutschen TV verband wurde.

    Danke auch für die vielen zusätzlichen Beispiele, liebe Jana. Insbesondere „Wo ist Klaus?“ finde ich absolut gut gemacht und erinnere mich auch, dass der Spot lange im TV/Kino lief. Von der Herangehensweise ist es auch sehr interessant, denn hier wird ja erstmal mit Humor an die Sache ran gegangen, doch der Schock kommt dann „im Abgang“.

    ich bin gespannt was für Werbung in Zukunft auf uns einwirkt und wie sich die „Schock-Grenze“ in Deutschland verändert.

    LG,
    Jan

  5. […] von Bahar: http://www.youtube.com/watch?v=4faufiXA7Bw&feature=player_embedded  Eric: https://realfounder.wordpress.com/2012/06/08/diese-hure-hat-ihren-onkel-verfuhrt-oder-wie-weit-darf-w… Enrico: http://soundcloud.com/catekk/the-xx-intro-c-a-edit Bahar: ”Fun” unter […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s