Was mache ich eigentlich wirklich?

Veröffentlicht: Juni 5, 2012 von Ms. Tuesday Sophie in Know How
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Heute früh hatte ich eine Vorlesung in der wir Gruppenarbeit zum Thema „Spiritualität in der Wirtschaft“ durchführen sollten. Die Zeitvorgabe war 15 min zum Lesen des Textes. Der Text hatte 20 Seiten und es ging um buddhistische Gedanken zum Thema Wirtschaft. Die Hauptthese war, dass man durch Aufmerksamkeit sein Leben gezielter wahrnehmen soll und konzentriert an einer Sache arbeiten muss. Als wir dann zu 6. zusammensaßen, stellten wir fest, jeder hatte den Text wegen der Zeitvorgabe nur überflogen und wir hatten nur 15 min Zeit um eine Präsentation vorzubereiten, das heißt niemand hörte dem anderen wirklich zu, weil wir einfach schnell eine Lösung liefern mussten. Nach 5 min stellten wir fest: wir machen alles falsch, denn wir machen nichts wirklich!

Genau die Themen die den buddhistischen Grundsatz ausmachen missachteten wir schon dabei, wie wir ihn bearbeiten wollten. Wir haben so oft keine Zeit zum konzentrierten Hinterfragen und Nachdenken. Aber ist das denn überhaupt möglich, wenn man in einer so hektischen Zeit lebt, wo die Anforderungen an den Einzelnen stets steigen?

Es war ein interessanter Moment, denn nachdem jeder impulsiv probierte schnell und oberflächlich mitzureden, Brainstorming zum Thema machte und mit Gedanken wild um sich warf, stellten wir fest, wir machen exakt das Gegenteil von dem, worüber wir versuchen zu reden. Eine Erkenntnis, die zeigt wie schwer es ist knallhartes Business und wirtschaftliche Entscheidungen abzustimmen mit buddhistischen Grundsätzen.

Alle Dinge entstehen im Geist, sind unseres mächtigen Geistes Schöpfung.

Der Buddha

Hier sind mal ein paar zentrale Merkmale der buddhistischen Denkweise aufgezählt:

  • Achtsamkeit
  • Geistesgegenwärtigkeit
  • Konzentration
  • Gezähmtes Denken
  • Impulsdistanz
  • Tiefes Zuhören
  • Anfängergeist
  • Klare Wahrnehmung

Ich denke nun versteht ihr warum unsere Gruppendiskussion über Spiritualität in der Wirtschaft gar nicht klappen kann. Wie soll man tief zuhören, wenn man den Text selber nur überflogen hat und dabei noch Gedanken gar nicht bis zum Ende denken konnte?

Generell ist die Spiritualität aber ein sehr spannendes Thema und ich denke jeder Einzelne kann aus den Ansätzen, die oben genannt sind, einiges für sich selbst mitnehmen und vielleicht die eigene Situation aufwerten.

Wir sind oft gestresst, überfordert, genervt und vielleicht auch unzufrieden. Wir machen kaum noch etwas wirklich bewusst, sondern unsere Gesellschaft schreit nach MULTITASKING und fordert viel. Das sehen wir schon in alltäglichen Dingen, wer konzentriert sich beim Essen, wirklich auf das was er tut? Fast alle lesen nebenbei, checken die Mails, schauen Fernsehen oder tun irgendetwas anderes, was uns von der Tatsache, dass wir gerade Essen, vollkommen abbringt. Wären nicht das bewusste Tun und die konzentrierte Aufmerksamkeit viel sinnvoller und auch effektiver? Wären wir nicht vielleicht auch persönlich zufriedener wenn wir etwas wirklich tun und nicht nur viele Dinge halb beenden, die uns verwirrt zurücklassen? Müssen wir nicht eher Singletasking beherrschen, statt uns mit Multitasking zu überfordern?

Ein interessanter Aspekt der uns allerdings, wenn wir über Wirtschaft reden, zu dem Problem führt wie wir das mit einer Unternehmensphilosophie vereinen können. Das Netzwerk Achtsame Wirtschaft und auch das Forum bei Xing beschäftigt sich mit dieser Thematik und durch verschiedene Lehrgänge und Events sollen Führungskräfte an die Spiritualität herangeführt werden. Doch allumfassende Lebensweisheiten wie Großzügigkeit, Glückseligkeit, innere Gelassenheit und aktive Wahrnehmung des Hier und Jetzt, ist denke ich sehr schwer in einen stressigen Business-Alltag zu integrieren. Meditation wird von Unternehmen oft eingeführt um die Mitarbeiter dabei zu unterstützen und einen Versuch zu machen die Vorteile des Grundsatzes von Spiritualität in die Unternehmensphilsosophie zu integrieren.

Ich persönlich glaube es ist sehr schwer ein Unternehmen, welches wettbewerbsfähig bleiben muss, mit spirituellen Grundsätzen zu führen, aber es ist sicher nicht unmöglich. Allerdings würde ich meinen, es bringt viel mehr diese Einstellungen für die persönliche Ebene anzunehmen und sie zu nutzen, um gelassener mit Stress umzugehen, an Problemen nicht zu verzweifeln und vielleicht zufriedener zu werden. Später kann man dies vielleicht auf Freunde, Familie und Kollegen übertragen.

Das ständige Streben nach Verbesserung tut der Seele nicht immer gut und es ist wichtig sich zwischendurch auch auf wesentliche Dinge zu konzentrieren, und wenn es eben das Essen ist, ohne Zeitung, ohne Smartphone und ohne TV!

Hier eine kleine Denkanregung:

 

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Kommentare
  1. Laura sagt:

    Hey Sophie,

    freut mich zu lesen, dass du unser Thema der Vorlesung auch gleich aufgegriffen hast. So haben auch die Leute, die ihn bisher vielleicht noch nicht gelesen haben die Möglichkeit einen schönen Einblick in die Thematik zu bekommen.

    Bezüglich der Frage ob und in wie weit Unternehmen „Spiritualität“ in ihre Unternehmenskultur einbeziehen können, vertrete ich auch deine Meinung, dass zuerst eine Basis auf persönlicher Ebene geschaffen werden muss. Die Basis wird uns mit der Zeit sicher Stress resistenter machen und gegebenenfalls die Freude an unserer Arbeit zurück bringen.

    Zu deiner Aussage, „es ist sehr schwer ein Unternehmen, welches wettbewerbsfähig bleiben muss, mit spirituellen Grundsätzen zu führen, aber es ist sicher nicht unmöglich“ habe ich einen sehr interessanten Artikel gefunden, der deine Aussage eventuell revidieren könnte.

    Auf der Homepage Agitano gibt es eine Kolumne rund um das Thema „Spiritualität & Business“ von Hans-Jürgen Krieg. Er beschreibt in dieser Kolumne sogar Gründe, warum ganz besonders
    spirituell geführte Unternehmen finanziell erfolgreich sind.

    Hier ein Zitat von Herrn Krieg, dass dies verdeutlicht: “

    Natürlich muss das, was ein spirituelles Unternehmen leistet, auch einen Markt haben. Ohne Kunden ist auch die beste Leistung wirtschaftlich sinnlos. Aber Kunden für ihre Leistungen zu finden, fällt spirituellen Unternehmen nicht schwer. Das Zauberwort heißt Kommunikation. Spirituelle Unternehmen tun Gutes und reden auch viel darüber. Offen und ehrlich. Sie wollen die wirklichen Probleme ihrer Kunden kennen lernen. Solche Probleme sind für sie Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Im hohen Nutzen lieg ein Grund dafür, warum spirituelle Unternehmen auch finanziell erfolgreich sind. “

    (http://www.agitano.com/magazin/magazinDetails/warum_spirituell_gefuehrte_unternehmen_finanziell_erfolgreich_sind_25588/)

    Alles Liebe

    Laura

  2. Hallo Laura, hallo Sophie,

    es hat echt Spaß gemacht eure beiden Artikel zu lesen. Ich würde noch gerne meine Gedanken dazu äußern. Ich stimme absolut überein, dass wir weg müssen vom MULTITASKING. Jedoch widerspreche ich, wie Sophie geschrieben hat, dass unsere Gesellschaft nach Multitasking schreit. Vielmehr wird Multitasking durch unsere neuen Medien wie z.B. einem Smartphone lediglich erleichtert. Letztendlich bleibt es jedoch unsere eigene Entscheidung, ob wir uns für Multitasking entscheiden. Letztendlich findet die eigentliche Wertschöpfung, gerade in Unternehmen, dann statt, wenn wir uns auf eine Sache konzentrieren. Ich stimme auch nicht überein, dass die Anforderungen an uns ständig steigen. Vielmehr denke ich, wir leben in einer großartigen Zeit wo wir unabhängig entscheiden können wie viel Stress wir auf uns nehmen. Ich denke den größten Stress machen wir uns selber, da wir die größten Anforderungen an uns selbst stellen, welchen wir dann nicht gerecht werden. Resultat, große Unzufriedenheit in allen Bereichen des Lebens. Ich spreche aus Erfahrung, da es eine Zeit gab in der ich große Ansprüche an mich selbst gestellt habe und sehr unzufrieden damit wurde. Sophie hat geschrieben, dass das Streben nach Verbesserung der Seele nicht immer gut tut. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen und sagen es tut uns in jedem Fall nicht gut. Ich sehe das so, dass wenn man weiß in welcher Fähigkeit man gut ist und dieser nach geht, sich automatisch eine Verbesserung einstellt. Somit hat man sich letztendlich stressfrei in einer Tätigkeit verbessert.

    Zum Thema Spiritualität in Unternehmen würde ich sagen, dass es durchaus und gerade bei Firmenneugründungen leicht sein kann, gewisse spirituelle Werte zu etablieren. Gerade in der Gründungsphase eines Unternehmens formen Führungskräfte die Unternehmenskultur. Konzentriert man sich auf die Praxis der im Artikel genannten Fähigkeiten, findet man unter Umständen bald ein angenehmes Arbeitsumfeld vor. Sieht man hingegen den Stress und die negativen Rahmenbedingungen als gegeben an, wird man auch in einem Unternehmen keine positiven Energien ausstrahlen.

    Spirituelle Werte in einem Unternehmen sind aus meiner Sicht perfekt mit wirtschaftlichem Handeln vereinbar. Wirtschaftliches Handeln ist der effiziente Einsatz von Ressourcen. Durch Achtsamkeit, Konzentration und gezähmtes Denken, werden Ineffizienzen verhindert. Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Wettbewerb und spirituellen Werten. Vielmehr wird man durch die beseitigten Ineffizienzen sogar noch einen Vorteil erarbeiten.

    In diesem Sinne

    Herzliche Grüße

    Euer Max

  3. Ms. Monday Jana sagt:

    Hallo ihr Drei,
    Ich war in der anderen Gruppe und fand diese kurze Zusammenfassung sehr interessant. Ich werde den Artikel auf jeden Fall auch einmal komplett lesen. Ich bin ebenfall der Meinung, dass sich spirituelle Werte mit der modernen Arbeitswelt vereinbaren lassen. Ich denke aber, dass es dabei wichtig ist zu beachten, dass es hierbei um die einzelne Person geht und nicht die gesamte Unternehmensführung. Einer der buddhistischen Grundsätze ist schließlich, dass man die Veränderung bei sich selbst beginnt und nicht bei anderen. Ich denke deswegen, dass dieser Ansatz nicht in der Unternehmenskultur verankert sein sollte. Das wäre für mich eine Art Zwang zur Spiritualität und somit irgendwie ein Widerspruch. Viel eher sollten vielleicht Mitarbeitertrainings o.Ä. stattfinden in welchen die Mitarbeiter über solche Ansätze lernen können und dann selbst entscheiden ob sie diese für sich anwenden wollen. was meint ihr?
    LG,
    Jana

  4. Ms. Tuesday Sophie sagt:

    Hallo an alle,
    danke für eure Kommentare. Ich finde eure Anregungen sehr interessant und deswegen habe ich mich diese Woche nochmal genauer mit dem Thema „Multitasking“ beschäftigt, da dies ja zentraler Punkt hier in der Diskussion war.

    https://realfounder.wordpress.com/2012/06/12/multitasking-ist-auch-keine-losung/

    Generell geb ich euch Recht, Spiritualität in der Wirtschaft ist möglich, aber man sollte bei der Person im Einzelnen anfangen. Eine „gezwungene“ neue Unternehmensstruktur macht keinen Sinn und würde den buddhistischen Grundsätzen auch widersprechen. Der Wille muss von selbst kommen, nur so kann man Spiritualität auch wirklich verinnerlichen.

    Liebe Grüße,
    Sophie

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