Karaoke im Mauerpark: Nur noch alle zwei Wochen!

Veröffentlicht: Mai 25, 2012 von Jan in Berlin
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Karaoke im Mauerpark

Karaoke im Mauerpark

Seit über drei Jahren kommt Joe Hatchiban nun bereits jeden Sonntag auf’s Neue mit seinem Fahrrad in den Berliner Mauerpark gefahren. Jeder Berliner kennt ihn, oder sollte ihn kennen…oder das was er macht: Mit einer Karaoke-Anlage auf seinem Fahrrad hilft er jede Woche aufs neue viele Leute dazu ein „Star für den Augenblick“ zu sein. Jeder darf singen, jeder darf sich beteiligen…und das bei einem beachtlichen Publikum: Bis zu 2.000 Menschen sammeln sich immer wieder auf’s neue um den nicht immer korrekt getroffenen Tönen zu lauschen. Das Treffen ist zwischenzeitlich so populär geworden, dass es in vielen Reiseführern steht und dadurch nicht nur von Berlinern, sondern von Menschen aller Nationen besucht wird.

Für alle Leser, die sich das Karaoke-Spektakel noch nie angeschaut haben ist dieses Video hier als eine kleine Kostprobe zu empfehlen:

Soweit zur Vergangenheit, denn jetzt gibt es eine kleine Veränderung: Das spontane Zusammentreffen soll zukünftig unterbunden werden und die Karaoke darf nur noch nach Vorschrift und unter Erhebung einer Sondernutzungsgebühr (125€ statt 33€ pro Veranstaltung) erfolgen. Darüber hinaus ergänzt Jens-Holger Kirchner (Grüne), Pankower Stadtrat für Stadtentwicklung, ergänzt:

Die Sondernutzungserlaubnis wird nur noch durchschnittlich alle zwei Wochen ausgestellt.
(Q: Tagesspiegel Online)

Konkret bedeutet das, dass auch das wöchentliche Karaoke-Treffen nur noch alle zwei Wochen stattfinden darf. Begründet wird dies damit, dass Joe Hatchiban nicht sicherstellen könne, dass a.) der Müll korrekt entsorgt wird und b.) der Verkauf von Getränken und Essen von Händlern ohne Erlaubnis unterbunden wird.

Fliegende Kinder im Mauerpark (nicht so schlimm!)

Fliegende Kinder im Mauerpark (nicht so schlimm!)

Fliegende Händler im Mauerpark (schlimm!)

Fliegende Händler im Mauerpark (schlimm!)

Das mit dem Müll scheint ein Irrtum zu sein, zumindest stellt Joe das so auf seiner Facebook-Fanpage dar:

So! Four years of people taking their rubbish away with them every Sunday (when we’re there at least), and the Tiefbauamt says that there’s a rubbish problem.

But I wouldn’t take it so seriously. After all, these are people who, until I met them in January, thought the Karaoke took place on Saturdays.

True story.

Und das Thema mit den fliegenden Händlern? Nun ja, einerseits ist das natürlich sehr schmerzlich, denn ich persönlich finde die netten Damen und Herren, die sich durch die Mengen drängen um mir ’nen Bier für ’nen Euro zu verkaufen, ungemein sympathisch. Auf der anderen Seite aber ist es ja in der Tat nicht rechtens – und darüber hinaus würde ich als Standbesitzer auf dem Mauerpark-Flohmarkt natürlich auch nicht wollen, dass mir irgendwelche unangemeldeten fliegenden Händler das Geschäft kaputt machen (ich zahle ja schließlich brav meine Standgebühr).

Andere Künstler gibt es auch...

Andere Künstler gibt es auch…

Argument Nummer drei kommt auch noch dazu: Es soll Platz für andere Künstler geschaffen werden. Aber ist das denn wirklich ein Argument? Ich meine, klar, Joe ist mit seinem Karaoke-Rad zur „Prime-Time“ am Sonntag zwischen 15 und 19 Uhr im Mauerpark, doch ist es ja nicht so, dass der Mauerpark zu klein ist. Es gibt viele Orte, an denen jeder Künstler Platz findet – das jemand der ein so großen Andrang hat nicht nur „Prime-Time“, sondern auch „Prime-Location“ inne hat, halte ich nur für verständlich.  Und womöglich ist es dann doch viel sinniger noch einen weiteren Platz zu schaffen? Der Mauerpark mit seiner Vielzahl an Künstlern ist ein Stück der Berliner Kultur und sollte von der Gesellschaft und der Stadt unterstützt werden. Nicht nur, weil es den Berlinern ein Stück Lebensqualität schenkt, sondern auch weil es eine attraktive Attraktion für Berlin-Touristen ist.

Nun seid ihr dran: Was haltet ihr von der Sache? Ist die Einschränkung berechtigt? Wie findet ihr die Joes Idee? Und ganz besonders wichtig: Habt ihr schon mal gesungen???

Kommentare
  1. Anna sagt:

    Jan – du hast ein gutes Thema gewählt. Es ist mir vor ein paar Wochen aufgefallen, als Besuch da war und ich mal wieder die Nachbarschaft zeigen wollte. Ich finde es unglaublich schade.
    Ich habe dort zwar nie gesungen, aber zugeschaut habe ich soooo oft.
    Und ich verstehe es einfach nicht warum die Karaoke unterbunden wird.

    Du hast zwar Argumente aufgezählt aber die sind für mich nicht nachvollziehbar. Als würde der Müll besser entsorgt werden wenn andere Künstler auftreten. Ich persönlich finde diese Flaschenverkäufer immer nervig, aber total viele freuen sich über ein kühles Bier in der Sonne. ich finde das hat wiederum nichts mit der Karaoke von Joe zutun.

    Desweiteren können viele Künstler den Mauerpark nutzen, vielleicht nicht in der Stoßzeit, aber die Möglichkeit besteht.

    Ich denke das dadurch ein hart verdienter und passender Flair wegbleibt.

  2. Sofia sagt:

    Hallo Ben,

    um gleich deine wichtigste Frage zu beantworten: Nein, im Mauerpark hab ich noch nicht gesungen. Dazu braucht es schon ein English Pub und Guinness. 😉

    Ebenso wie Anna verstehe ich auch nicht, warum Joe`s Idee unterbunden werden soll. Die angeführten Argumente greifen einfach nicht. Karaoke am Sonntag gehört nun mal zum Mauerparkt! Extrem fraglich ist die Regelung mit der Sondererlaubnis. Wenn an einem Sonntag schlechtes Wetter ist, geht man ja nicht zum Karaoke, sondern verschiebt es eben auf den darauffolgenden Sonntag. Nun muss man bei schlechtem Wetter ganze vier Wochen warten. Platz für andere Künstler ist außerdem auch noch reichlich vorhanden… Durch so etwas verliert der Mauerpark an Flair und das ist wirklich Schade!

    • anton2you sagt:

      Und wieder mal tut Berlin nichts bzw. gar nix für den erhalt von Kultur und die Förderung innovativer Ideen. Zum Glück hat die GEMA das Thema Mauerpark Karaoke noch nicht für sich entdeckt!

  3. Mr. Friday Jan sagt:

    Hallo ihr drei,

    danke für eure Antworten und bitte entschuldigt meine etwas verspätete Antwort!
    Es freut mich, dass ihr der selben Meinung seid wie ich. Ich habe mich die letzten Tage mal ein wenig rum gehört und mit den verschiedensten Leuten über das Thema gesprochen: NIEMAND hat für die Entscheidung der Behörde Verständnis gehabt. Selbstverständlich wollen die meisten auch anderen Künstlern die Möglichkeit geben ihr Talent präsentieren zu können, doch wieso muss das denn exakt zur selben Zeit und am selben Ort wie die Karaoke stattfinden? Ihr habt da schon ganz Recht: Berlin macht hier ein Stück „Kultur und innovative Idee“ kaputt.

    Es ist doch merkwürdig, dass in einer Situation wie dieser, wo die Masse FÜR den wöchentliche Erhalt der Karaoke ist und dadurch auch niemand geschädigt wird, trotzdem ein verbot umgesetzt wird. Ich bin mal gespannt wie sich das entwickelt – ich halte euch auf dem Laufenden!!!

    LG,
    Jan

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