Können Philosophen Unternehmern helfen?

Veröffentlicht: Mai 1, 2012 von Ms. Tuesday Sophie in Know How
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Nach einer interessanten Diskussion in einer Vorlesung letzte Woche, entstand die Frage ob uns Philosophen etwas über unser heutiges Führungsverhalten beibringen können?…

BWL Studenten sind ja mehr so dir „Macher“-Typen, nicht lange reden, sondern nach den Zahlen gehen und einfach machen. Seit Beginn meines Studiums wurden uns Theorien über den Homo Economicus, das rationale Denken und die Nutzenmaximierung erzählt.

Zeit ist Geld, Geld ist wichtig.

Das erste Mal nun beschäftige ich mich mit Philosophie und Persönlichkeiten wie Sokrates und seinem Schüler Xenophon. Denn die Frage ist: „Wie können Philosophen, die dafür bekannt sind ewig reden zu können, auch über Dinge die nicht unbedingt einen Nutzen bringen, Unternehmern helfen?“

Ich habe ein gutes Beispiel. In dem Buch „Xenophon Anabasis“ beschreibt Xenophon wie er in einen Krieg zieht um die Welt kennenzulernen. Er hat keine Ahnung wie man einen Krieg führt, aber er will Neues entdecken, deswegen tut er es. In Frankreich erzählt man den BWL-Studenten die Wirtschaft ist wie ein Krieg, nur der Stärkste überlebt. Ein paar Verbindungen also, die mich ahnen lassen, dass dieser Grieche vielleicht doch ein paar interessante Dinge berichten könnte.

Im zweiten Buch, sechstes Kapitel, berichtet Xenophon von 3 Strategen die zum Großkönig gebracht wurden um  ihr Todesurteil verkündet zu bekommen. Sie sind komplett unterschiedlich und doch wollen sie alle Führungskräfte darstellen und ihre strategischen Ziele durchsetzen.

Der erste, Klearchos, ist ein richtiger Krieger, für ihn zählt dass Blut fließt und keine Worte, sondern Waffen die Pläne verteidigen. Seine Soldaten fürchten ich mehr als den Feind und er hat eine unglaubliche Autorität in der Gruppe.

Der zweite Stratege heißt Boioter Proxenos und er ist der Soziale. Er möchte auf die Soldaten und ihre Bedürfnisse eingehen und redet viel mit ihnen. Er hat zu viel Scheu vor Konfrontation und Konflikten, weswegen er sie nie zurechtweist oder sie bestraft.

Der dritte ist ein Mann dem das Image alles bedeutet. Thessaler Menon, nutzt Freundschaften aus, schafft Intrigen und verbündet sich mit den Mächtigen um seine eigene Haut zu retten. Er ist hinterhältig und keine ehrliche Persönlichkeit. Er schafft es aber sich ein Ansehen zu schaffen, dass zu mindestens alle denken ihn könnte man vertrauen.

Drei interessante Personen, drei Führungskräfte die uns zu denken geben können was es eigentlich heißt Entrepreneur zu sein.

Nachdem ich mich damit beschäftigt habe bin ich auf folgendes Dreieck gekommen, was man auch ein „Bermuda-Dreieck“ nenne könnte, denn alle drei Komponenten gleichzeitig anzuwenden, ist so gut wie unmöglich.

                                                                                   Soziale

                                                                              Komponente

 

 

                              Autorität                                                                                             Image

                             & Respekt                                                                                         & Ansehen

Diese 3 Strategen helfen uns einiges über Führungsstile zu lernen, denn keiner von ihnen war wirklich erfolgreich, denn: die Mischung machts!!!

Meine Schlussfolgerung ist, ein guter Entrepreneur muss alle drei Dinge beherrschen. Man muss Autorität ausstrahlen um ein guter Unternehmer zu sein und eine gute Führungskraft darzustellen. Genauso wichtig ist es aber auch auf soziale Bedürfnisse einzugehen. Im Bezug auf die Mitarbeiter, sowie aber auch auf die Gesellschaft und das Umfeld. Besonders wenn es um Social Entrepreneurs geht, stellt sich doch die Frage inwieweit kann man betriebswirtschaftliche Zielsetzungen mit sozialen Aspekten, verknüpfen? Eine schwierige Sache, aber doch nicht unmöglich was uns Beispiele wie Ikotoilets, One Laptop per Child oder Big Brother Mouse beweisen. Zu diesen Anforderungen kommt dann aber zusätzlich auch noch das Ansehen und Image. Man steht in der Öffentlichkeit und muss sich gegeben falls auch viel Kritik von Außenstehenden anhören, also der Imageaufbau und die Netzwerk-Bildung gehören auch dazu, ein guter Entrepreneur zu sein. Man kann nicht nur die eigenen Ziele durchsetzten man muss sie auch im Einklang mit dem Umfeld gestalten und dazu dann aber doch noch Respekt und ausreichend Autorität ausstrahlen. Eine harte Aufgabe, aber selbst Xenophon  hat das schon festgestellt, wir können daraus lernen und es kann uns helfen auch mal zu verstehen, dass nur ein Weg nicht der Richtige sein muss.

Es stimmt, Philosophen haben Ahnung von Führung und wir als motivierte und kreative Köpfe können selbst von Altgriechen noch was lernen. Auch wen wir alle modern und dynamisch sein wollen und nach flachen Hierarchien schreien, Führung ist wichtig und ganz entscheidend bei der Frage wann man ein guter Entrepreneur ist.

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Kommentare
  1. Max "München" sagt:

    Hallo Sophie,

    ich würde noch eine Eigenschaft hinzufügen. Wie du schon heraus gearbeitet hast besteht zwischen Philosophen und Führungskräfte eine große Parallele. Beide befassen sich mit einer Problemstellung, welche sie lösen und verstehen wollen. Die typische Führungskraft oft mit einer technischen oder betriebswirtschaftlichen. Der Philosoph hingegen z.B mit einer Problemstellung ethischer Natur. Die klassische Führungskraft bedient sich dabei den Eigenschaften aus deinem „Bermuda Dreieck“, wo hingegen der Philosoph oft auch auf die Gabe der Beobachtung zählt. Mein Argument ist somit, dass für eine effektive Führung die Analyse der Eigenschaften aus dem Dreieck bei den Partner und Kollegen teilweise um einiges wertvoller sein kann, als die ständige Verbesserung der eigenen Eigenschaften.

    Liebe Grüße

    Max

  2. Ms. Tuesday Sophie sagt:

    Hallo Max,
    vielen Dank für dein Feedback! Es ist absolut richtig, dass sich Führungskräfte aus unserer Zeit hauptsächlich mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen, wohingegen Philosophen auch sehr viel das menschliche Verhalten analysieren und „die Welt beobachten“. Das Beobachten dient dazu, viel über Verhaltensmuster zu lernen und Schlüsse daraus zu ziehen, wie man das Miteinander und in diesem Sinne auch das gemeinsame Wirtschaften, verbessern kann. Das „Bermuda-Dreieck“ soll dabei drei Eigenschaften darstellen die eine Führungskraft ausmachen kann, welches im Buch von Xenophon analysiert wird. Hierbei geht es nicht darum Unternehmern den Rat zu geben wie Philosophen zu agieren, also Beobachtungen dem Handeln vorzuziehen, sondern auf Grundlage der Analyse von Philosophen, Verhaltensgrundmuster für den eigenen Führungsstil zu übernehmen. Der Gedanke in diesem Zusammenhang ist also nicht, dass Führungskräfte philosophische Methoden anwenden sollen, sondern vielmehr lernen sollten verschiedene Verhaltensmuster zu erkennen und bestmöglich auf sich selbst zu übertragen. Der Zielkonflikt der dabei entstehen kann, wird dann im „Bermuda-Dreieck“ dargestellt.
    Das Beobachten als solches, ist sicherlich auch wichtig um ein gutes Führungsverhalten zu besitzen. Das Umfeld und die Mitarbeiter sollten stets von der Führungskraft im Auge behalten werden, um bei Problemen schnell reagieren zu können und um auf ihr Verhalten eingehen zu können. Also dennoch ein interessanter Gedanke, den man sicher nochmal aufgreifen kann! 🙂

    • Liebe Sophie,

      dein Artikel stellt wunderbar die Kernkompetenzen einer Führungskraft anhand von „Xenophon Anabasis“ dar: Es ist wichtig sozial zu Denken/Handeln, Autorität auszustrahlen und sich ein gutes Image, sowie ein gutes Netzwerk aufzubauen. Jede Führungskraft im großen Konzern oder im kleinen Kiosk um die Ecke wird dir das bestätigen!

      Dennoch ist nicht jede Führungskraft ein Entrepreneur. Ein Unternehmen aufzubauen und zu entwerfen verlangt vielleicht Autorität, vielleicht auch Image oder auch soziales Handeln, dennoch können diese Eigenschaften auch in anderen Personen stecken (siehe auch „Kopf schlägt Kapital“, S.92 „Auch der Komponist hat nicht alle Instrumente zu spielen gelernt“).
      In einem guten Freund zum Beispiel, der ein echter Experte im „networking“ ist und deine Idee an die richtigen Leute trägt. Oder die Öko-Tante in deiner WG, die den Vorschlag macht ein ökologisch korrekteres Material einzusetzen. Ich stimme dir nicht ganz zu, wenn du sagst „Meine Schlussfolgerung ist, ein guter Entrepreneur muss alle drei Dinge beherrschen“. Und zwar weil du die Führungskraft dem Entrepreneur gleichsetzt.

      Es mag sein, dass die Eigenschaften für die Führungskraft von großer Bedeutung sind, nicht aber für den Entrepreneur. Er kann die Aufgaben weg delegieren. Meines Erachtens muss man als Entrepreneur eine viel wichtigere Eigenschaft besitzen: Engagement oder auch Leidenschaft. Wird in dem Buch nicht Xenophon als derjenige dargestellt, der in den Krieg aufbricht, weil er gerne die Welt sehen wollte? Besaß er die nötig Autorität dafür? Nein. Besaß er das Image? Nein. Ging es ihm um die Anderen? Nein. Er wollte Reisen und er wollte lebend zurück kommen. Das war sein Projekt, sein Unternehmen. Es ging ihm nur um sich selbst. Aber der Wunsch zu Reisen, das Projekt zu starten, dieser Wunsch war es letztendlich, der den Anstoß gab. Ich denke wenn wir von den Philosophen eines lernen, dann ist es – neben den guten und schlechten Eigenschaften der Menschen – die Ausdauer und das Engagement, welche man für seine Ziele und Wünsche mitbringen muss. Und ich denke, dass es das ist, was den guten Entrepreneur von der guten Führungsperson unterscheidet.

      Grüße, F

  3. Ms. Tuesday Sophie sagt:

    Hallo Franzi,

    vielen Dank für deinen Comment! Ich gebe dir vollkommen Recht, Begeisterung und Engagement sind zentrale Aspekte die einen Entrepreneur ausmachen. Das Beispiel aus dem Buch „Kopf schlägt Kapital“ von G. Faltin passt sehr gut und auch ich teile diese Ansicht.

    Ich muss allerdings auch auf einen, meiner Meinung nach, ganz entscheidenden Punkt aufmerksam machen. Der Entrepreneur ist der Gründer, er entwickelte die Idee und eine Vision, er kann im nötigen Fall Aufgaben weiterdelegieren und an Kollegen abgeben. Allerdings trägt er am Schluss aber auch immer die Verantwortung, denn er hat das Unternehmen gegründet und besonders bei kleinen Start ups, übernimmt er schnell die weitergreifende Funktion des Managers. Ich finde diese Thematik sehr spannend und dein Comment hat mich dazu gebracht weiter über diesen Zusammenhang nachzudenken. Dankeschön dafür 🙂

    Ich werde in meinem nächsten Artikel der am Tuesday 08.05. freigeschalten wird, nochmal darauf eingehen. Vielleicht kannst du dann meinen Gedankengang besser nachvollziehen.
    Ich hoffe auf eine rege Diskussion 😉

    LG, Ms. Tuesday-Sophie

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