Ist Mundraub sozial vertretbar?

Veröffentlicht: April 20, 2012 von Jan in Start Ups
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Gebote für das Leben des Volkes – 5. Buch Moses, Kapitel 23, Vers 25:

„Wenn du in deines Nächsten Weinberg gehst, so magst du Trauben essen nach deinem Willen, bis du satt hast; aber du sollst nichts in dein Gefäß tun.“

Nein – ich bin weder Bibelfanatiker, noch verfolge ich überhaupt irgendein Glaube. Aber ich halte die Bibel aufgrund ihrer dramatisch formulierten Weisheiten für absolut zitierfähig. Und in diesem Fall ist es wirklich passend!
Es geht um Mundraub – der Duden beschreibt diesen als „Diebstahl oder Unterschlagung von wenigen Nahrungsmitteln oder Verbrauchsgegenständen von geringem Wert“. Der Gesetztesgeber sieht das ähnlich, wenn auch er nicht so liberal formuliert, wie es die Bibel tut. Die Schweriner Volkszeitung bringt es in ihrem in ihrem Infotext „Die Rechtslage: Wann ist Mundraub erlaubt?“ auf den Punkt:

„Auch heute kann man sich nicht einfach Obst aus fremden Gärten nehmen. Nach geltendem Recht wäre dies Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen gemäß § 248a StGB – wird aber nur noch auf Strafantrag verfolgt. Wo kein Kläger, da kein Richter. Also nur mundrauben, wenn sicher ist, dass sich kein Besitzer beschwert.“

Schön und gut – aber warum schreibe ich heute davon? Was hat Mundraub mit diesem Blog zutun? Und in wie fern soll das Thema in Verbindung mit Entrepreneurship oder gar Social Entrepreneurship stehen? Gute Fragen! Und hier die Antwort:

Natürlich möchte ich mir diesem Artikel keine Nachbarschaftsstreits anstiften, sondern möchte euch auf ein großartiges Berliner Projekt hinweisen, welches mittlerweile bereits bundesweit Unterstützer gefunden hat: mundraub.org !

Logo_Mundraub

Mundraub.org ist eine „Plattform für Obstallmende“. Glücklicherweise sind sich die Macher der Seite der mangelnden Allgemeinbildung einiger Besucher bewusst und verlinken das Wort „Obstallmende“ direkt mit Wikipedia, wo erklärt wird:

„Die Allmende ist eine Rechtsform gemeinschaftlichen Eigentums.“

Diese Info wird dann von Mundraub.org noch etwas ergänzt:

„Sie verfolgt das Ziel, in Vergessenheit geratene Früchte der Kulturlandschaft im öffentlichen Raum wieder in die Wahrnehmung zu rücken und in Wert zu setzen, um sie als Teil unserer Kulturlandschaft und der Biodiversität dauerhaft zu erhalten.

Die Fundstellen können von den Nutzern auf einer interaktiven Karte im Internet eingetragen und abgerufen werden. mundraub.org wird die Plattform Stück für Stück so weiter entwickeln, dass sich die unternehmerische Kraft einer Community entfalten kann und somit stärkere regionale Bezüge ermöglichen.“

Oder aber auch kurz und knapp: Mundraub.org betreibt eine Plattform, die die Nutzer dabei unterstützt Mundraub bei Städten und Gemeinden zu betreiben.

Mundraub.org Webseite
Das macht Mundraub.org indem Nutzer auf der Plattform die Möglichkeit haben öffentliche Obst- und Nussbäume sowie Kräutern und Beeren auf einer Karte zu kennzeichnen. Andere können diese Einträge dann abrufen, zu den Früchten in der Nähe marschieren und genießen! Naja, sofern sie an die Früchte ran kommen, was wohl nicht immer ganz so einfach ist, wie die Jungs und Mädels von XEN.ON TV vor einem Jahr festgestellt haben:


Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister…also nur weiter so!
Nun haben Entrepreneure ja häufig den dringenden Bedarf Dinge zu verbessern…wie wäre es hiermit: Fast wäre es mir gar nicht aufgefallen, aber als ich den Beitrag „Gärten der Welt“ vom Autor „Quercus (Eiche)“ des „Entrepreneurial Creativity“-Blogs überflogen habe, lag es plötzlich auf der Hand.
Quercus stellt in seinem Beitrag die Frage

„Ist es in Zeiten knappper öffentlicher Kassen überhaupt möglich, schöne Gärten mit freiem Eintritt beziehnungsweise mit einem nur sehr geringen Eintrittsgeld ökonmisch sinnvoll zu verwalten?“

Weitergehend schreibt er:

„Für den Social Entrepreneur stellt sich die Frage, wie lässt sich dieser Trend mit vernünftigen und funktionierenden Geschäftsmodellen kombinieren. […]Praktisch sind die Park-Betreiber herausgefordert einerseits bezahlbare Angebote zu schaffen und zugleich die notwendigen finanziellen Ressourcen bereitzustellen. Hier sind neue Ideen und Konzepte immer wieder gefragt.“

Und? Kommt ihr darauf? Genau…ließen sich diese Projekte nicht miteinander verbinden? Ich stelle mir da öffentliche Gärten vor, die einen Schwerpunkt auf regionale Früchte hat…und jeder Besucher hat die Möglichkeit diese Früchte zu ernten. Das ganze kombiniert mit einer Spenden-Box deckt sicherlich nicht die gesamten Kosten eines solchen Parks, doch jeder Besucher hätte neben der Möglichkeit für den „schönen Park“ zu spenden auch die Möglichkeit für die selbst geernteten Früchte zu spenden.

Zwei Fliegen mit einer Klappe – ich finde es klasse….was denkt ihr? Ist das umsetzbar?

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Kommentare
  1. Ms. Monday Jana sagt:

    Hallo Jan,

    Was für ein interessantes Projekt. Da bekommt man glatt Lust selbst mal auf „Mundraub-Tour“ zu gehen. Deine Idee, dieses mit dem Projekt „Gärten der Welt“ zu verbinden finde ich auch sehr spannend und es wäre mit Sicherheit eine Möglichkeit, schöne Parks zu schaffen. Vielleicht könnte man um das ganze finanziell tragbar zu machen statt Spendenmöglichkeiten einen geringen Kilopreis ansetzen der für das mitgenommene Obst berechnet wird? In Deutschland gibt es beispielweise Zusammenschlüsse von Bauern auf deren Feldern man selbst Erbeeren ernten kann und dann lediglich einen geringen Preis dafür zahlt (http://www.selbst-pfluecken.de/home.html). Etwas ähnliches könnte ich mir auch bei solchen „Obst-Parks“ vorstellen.

    LG,

    Jana

    • Mr. Friday Jan sagt:

      Hey Jana,

      danke für dein Kommentar! Verzeih mir, dass ich erst jetzt antworte…dein Kommentar ist wohl irgendwie an mir „vorbei gelaufen“ und erst jetzt, wo ich mich erneut mit dem Thema bzw. einem ähnlichen Thema beschäftige, habe ich ihn entdeckt.

      Schönen Gedanken hast du mit ein gebracht, das selber pflücken bei Bauern mein ich. Das kenne ich nur zu gut – meine Mutter hat das mit mit und meinem Bruder jedes Jahr exzessiv betrieben. Immer wieder aufs neue..jedes Jahr Erdbeeren in Massen! Das ging so weit, dass ich – nachdem ich bei meiner Mutter ausgezogen bin – mehrere Jahre keine Erdbeeren mehr gegessen habe 😉 Mittlerweile mag ich Erdbeeren aber wieder…und mittlerweile weiß ich auch, was das für eine klasse Sache ist. Naja, mal schauen…vielleicht traue ich mich ja auch mal wieder auf ein Erdbeerfeld 😉

      Nun…ich bin auf dein Kommentar aufmerksam geworden, da ich mich am Freitag wieder mit dem Thema beschäftigt habe und dem Zuge hier noch mal rein geschaut habe. Um genauer zu sein: Die Idee mit den Obst in irgendwelchen Gärten ist gar nicht so neu… Wenn es dich interessiert schau dir doch mal meinen neuen Artikel dazu an:

      https://realfounder.wordpress.com/2012/05/04/urban-farming-in-berlin-die-prinzessinengarten/

      Liebe Grüße,
      Jan

  2. […] erinnert das Thema an einen Gedanken, der mir beim Verfassen eines früheren Artikels über das Internetportal mundraub.org in den Sinn kam. Damals sinnierte ich darüber, ob es nicht […]

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