Social Business – oder doch nur Betrug…?

Veröffentlicht: April 13, 2012 von Jan in Start Ups
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Meine Idee zu diesem Artikel entstand als ich den Artikel „Sleeping in the midst of tigers“ von JanaBerlin gelesen habe. In ihrem Artikel schreibt Jana von Help Tourism in Indien und hat eigentlich nichts direkt mit diesem Text zu tun. Als ich mich aber weiter mit ihrem Artikel beschäftige, erinnere ich mich an ein Projekt, das dem von Jana ähnelte: Ein Eco Toursim Programm in Laos. Als ich mich über deren Angebot näher informiere, fällt mir aber auf, dass die Preise der angebotenen Touren mehr als überdurchschnittlich hoch sind. Es ist offensichtlich, dass „Profit“ doch einen deutlich höheren Stellewert als „Social“ hat, was grundsätzlich nicht verwerflich ist – immerhin spielt das „Social“ zumindest überhaupt eine Rolle.


Noa BankIch beschäftige mich weiter mit dem Thema, denke an Greenwashing, bis hin zu dem Gedanken, dass man ein Social Business gründet, aber gar nicht Social ist. Ich brauche Beispiele, wühle in meinen Erinnerung und irgendwann finde ich das von mir gesuchte Beispiel: Die Noa Bank! Im 2. Semester hatte ich mal eine Präsentation über „Ethical Banking“ gehalten und die Noa Bank war mein Musterbeispiel. Wenn man heute auf die Webseite der Bank geht findet man nur einen kleinen Hinweis:

„Das Amtsgericht Düsseldorf hat über das Vermögen der noa bank GmbH & Co. KG am 01.10.2010 um 14:00 Uhr das Insolvenzverfahren eröffnet.“

Aber fangen wir erst mal mit dem Konzept der Noa Bank an – es lohnt sich das folgende Video hierzu anzuschauen, denn das beschreibt das Geschäftskonzept nicht nur treffend, sondern ist obendrein auch echt gut gemacht:



Klingt doch soweit erst mal gut: Keine Spekulation, viel Transparenz und obendrein auch noch eine Hohe Verzinsung für Anleger – die NoaBank hat im Tagesgeldgeschäft gute 1% mehr Zinsen als alle anderen Banken angeboten. Darüber hinaus können die Anleger entscheiden, was mit ihren Einlagen geschehen soll: Kultur, Planet, Leben und Region sind die Bereiche aus denen Anleger wählen können.

Noa Bank Anlage-Bereiche
Das Konzept scheint zu funktionieren – die Anleger strömen zur NoaBank und innerhalb kürzester Zeit sammelt die Bank über 200 Millionen Euro ein. Doch es ist nicht alles so grün, wie es scheint…NoaBank Gründer François Jozic hat schon mal eine nicht so verantwortungsbewusste Vergangenheit. Die Financial Times Deutschland schreibt zu Jozic und seiner Vergangenheit in ihrem Artikel „Theatralischer Abgang der Noa Bank“:

„Damals war er noch in der Verantwortung bei zwei Firmen mit zweifelhaften Ruf: Targas und Quorum. Die Düsseldorfer Firma Targas war Vermittler beim Kauf und Verkauf kleiner Firmen. Kunden klagten über Drückerkolonnen und hohe Vorauszahlungen. […]Quorum hatte er zusammen mit seinem Kompagnon Frédéric Lodewyk gegründet, der auch die Mehrheit an der Noa Bank hält. Quorum ist eine sogenannte Factoring-Firma: Sie kauft Unternehmen Forderungen, also Risiko, ab. In der Branche lästern Konkurrenten, es habe keine Factoring-Firma gegeben, über die es mehr Beschwerden gab. Auch hier ist von Drückerkolonnen und überhöhten Gebühren die Rede. Davon, dass Quorum beim Kassieren fix, beim Bezahlen langsam war. Das, so der Vorwurf, habe Kunden in die Insolvenz getrieben.“

Nun mag es ja sein, dass sich Menschen ändern, doch die Geschichte um die NoaBank hat ja noch nicht begonnen. Wer hohe Zinsen auf die Einlagen zahlt muss das Geld auch irgendwo her nehmen: Banken müssen das geliehen Geld weiter verleihen – natürlich mit einem höheren Zinssatz. Für die Tagesgelder zahlt die NoaBank damals bis zu 3,5% – wenn das Geld direkt an die Bundesbank weiter verliehen wird erhält die NoaBank von dieser 0,75 % Zinsen ….zu wenig! Aber irgendwo muss das Geld herkommen – irgendwann hat die NoaBank 140 Millionen Euro mehr Einlangen als die Bank Kredite vergeben hat. Doch was nun?

„Um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, muss er schon nach wenigen Monaten Geld im Markt platzieren. Er tut, was alle Banken tun. Vorbei ist es mit Ethik und Moral. Vorbei mit der Idee einer Hilfe für Projekte und Firmen, die für das Gute in der Wirtschaft stehen. So macht Jozic kein einziges Kreditgeschäft im Bereich Kultur – obwohl Investoren der Bank extra dafür über 10 Mio. Euro zur Verfügung gestellt haben.“ (Q: Financial Times Deutschland)

Fatal, denn hier plötzlich wird aus den Anlagen Betrug. Ich leihe dir Geld, weil du es in einen Kräutergarten anzulegen versprichst, doch dann gehst du doch ins Casino! Es kommt aber noch schlimmer: Die Kreditkunden bleiben weiterhin aus und so entscheidet sich Jozic Quorum (die oben erwähnte Factoring-Firma) in die Noa Bank einzugliedern. Factoring-Firmen brauchen Banken, die sie mit Geld versorgen und es entsteht die Befürchtung, dass Jozic die NoaBank nur gegründet hat um Quorum eine Geldquelle zu sichern.
Von da an geht es abwärts: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFi) wird auf die NoaBank aufmerksam, am 24. Juni 2010 verbietet diese der NoaBank aufsichtsrechtlich Neukredite zu vergeben und weitere Einlagen anzunehmen, da die Bank zu wenig Eigenkapital aufweist. Die NoaBank senkt ihren Tagesgeldzinssatz dramatisch von 3,5% auf 0,75% um Kundengelder loszuwerden und so die Kundeneinlagen wieder loszuwerden und die geforderte Eigenkapitalquote zu erreichen. Am 18. August 2010 verhängt die BaFi ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot, am 25. August 2010 stellt sie einen Entschäfigungsfall fest und regelt somit die gesetzliche Voraussetzung für die Entschädigung der Anleger. Am 01. Oktober 2010 wird das Insolvenzverfahen eröffnet.

Und die Anleger? Pech gehabt, denn die NoaBank hat sich nicht dem Einlagensicherungsfond der privaten Banken angeschlossen. Anleger erhielten somit nur maximal 50,000 Euro aus der gesetzlichen Absicherung. Gutes tun, schlechtes Erfahren!

Was lernen wir daraus? Nicht alles was „Social“ scheint ist es auch wirklich…zusammen mit dem „Social-Trend“ werden zukünftig auch immer wieder Unternehmen auftauchen die nicht so sozial sind, wie sie vorgeben zu sein. Also auch hier immer die Augen offen halten!

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Kommentare
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  3. […] pretending to be of social interest? The Noa bank which was mentioned by Jan in his post “Social Business oder doch nur Betrug?” might have been one of […]

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